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"Keine Schwarz-Weiß-Passion mehr!"

Johannes Reitmeier, Intendant des Landetheaters Tirol sowie Autor und Regisseur der „Neuen Tirschenreuther Passion“, war am Wochenende zu Gast in Tirschenreuth. Herzlich begrüßt wurde er von Bürgermeister Franz Stahl, dem EUROPASSIONS-Beauftragten der Stadt Vinzenz Rahn und 80 Theaterbegeisterten. „Sie schreiben seit 1994 in Tirschenreuth Kulturgeschichte und haben in dieser Zeit als ‚Botschafter‘ unserer Stadt mit Engagement und Herzblut so großartige Stücke wie ‚Winsheims Tod‘, Den ‚Oberpfälzer Jedermann‘ und die ‚Tirschenreuther Passion‘ mit großem Erfolg inszeniert. Zu diesem 25-jährigen Jubiläum möchte ich Ihnen sehr herzlich gratulieren“ so das Stadtoberhaupt. Wie Franz Stahl konnte auch Vinzenz Rahn in seiner anschließenden kurzweiligen Rede seine Spannung kaum verbergen, welche Neuigkeiten der Regisseur im Hinblick auf die Neuinszenierung der „Neuen Tirschenreuther Passion“, auch als EUROPASSION 2020 bezeichnet, im Gepäck hatte. 

Seele des Stückes bleibt erhalten

„Ich freue mich, wieder in Tirschenreuth zu sein. Denn ich habe schon vor vielen Jahren versprochen, die ‘Neue Tirschenreuther Passion‘ als EUROPASSION 2020 zu inszenieren. Und dieses Versprechen löse ich natürlich gerne ein“, so Johannes Reitmeier. Der dann aber zuerst einmal auf die Besonderheiten der bisherigen „Tirschenreuther Passion“ hinwies. „Sie war nicht laut und auftrumpfend, aber durch den gesprochenen Dialekt und eine einzigartige Erzählstruktur beispielsweise durch den Auftritt der Evangelisten prägend auch im europäischen Maßstab“, erläuterte der Regisseur. Der in den vergangenen Monaten ganze Literaturberge gelesen habe, um ein neues Bild von einer veränderten Struktur des Stückes zu bekommen. Herausgekommen sei für ihn die Erkenntnis, die Seele des Stückes zu erhalten und es somit in seiner grundsätzlichen Form von Barock und Prosatexten zu belassen. Beispielsweise bleibe das Wort Jesu unverändert und würden die wichtigsten Texte nach wie vor durch die Evangelisten erzählt werden.  

Zentrale Änderung Judas-Bild

Dennoch gebe es natürlich auch viele Änderungen im Stück: Mit mehr Raum für Text und gespielte Szenen bei gleichzeitigen Kürzung von zeremonieller Umrahmung, mehr Konfliktstoff durch einen besonderen Fokus auf die angespannten familiären Verhältnisse von Jesus, einen größeren Textanteil in Hochdeutsch sowie eine Neudefinierung der Rolle der Frauen, die nun von Beginn an in Erscheinung treten würden.„Von immenser Bedeutung für die Neuinszenierung ist aber eine Änderung des Bildes von Judas. Denn es ist durchaus angebracht zu hinterfragen, ob zwischen ihm und Jesus bis zum Schluss nicht ein größeres Vertrauensverhältnis bestanden hat als zwischen Petrus und Jesus. In jedem Fall wird die Neuinszenierung keine Schwarz-Weiß-Passion mehr sein“, erklärte der Regisseur. Darüber hinaus, sagte Johannes Reitmeier weiter, möchte er aber auch bei der optischen Umsetzung der Inszenierung neue Akzente setzen. So gebe es neue Formen und Farbigkeiten bei den Kostümen und ein komplett neues Bühnenbild, bei dem ein überdimensionaler Felsen zentraler Spielort sei. Besonders freute Johannes Reitmeier auch, dass für die Passion am Spielort Kettelerhaus dann auch eine Zuschauertribüne aufgebaut wird und eine neue Tonanlage zur Verfügung steht.  

Besetzung der Rollen noch diesen Monat

Regisseur und Produktionsleitung planen eine Besetzung der Rollen bis Ende April. Wer sich für eine Rolle interessiert, sollte schnellst möglich eine E-Mail mit dem Betreff „Passion 2020“ an poststelle@stadt-tirschenreuth.de senden. Bis zum Sommer erfolgt durch das Tirschenreuther Autorenteam Marianne Stangl und Manfred Grüßner die Übersetzung der neuen Texte in den Oberpfälzer Dialekt. Die ersten Proben sowie der Beginn des Ticketvorverkaufs sind für den Monat November geplant.

Fotos: Stadt Tirschenreuth

Bild links: Viele waren der Einladung ins Kettelerhaus gefolgt.

Bild rechts: Bürgermeister Franz Stahl und Regisseur Johannes Reitmeier (v.l.)