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In den Startlöchern: die EUROPASSION 2020

Sie wirft bereits ihre Schatten voraus: die "Neue Tirschenreuther Passion", auch als EUROPASSION 2020 bezeichnet. Nicht nur, dass das alle fünf Jahre aufgeführte Mundart-Stück im kulturellen Leben der Stadt und der gesamten Region eine herausragende Rolle spielt. Es wird darüber hinaus eine Neuinszenierung sowie einen begleitenden EUROPASSIONS-Kongress geben. Dazu erwartet die Kreisstadt im Frühjahr 2020 auch Fachbesucher aus vielen europäischen Städten, in denen ebenfalls regelmäßig Passions-Aufführungen stattfinden. Premiere hat die "Neue Tirschenreuther Passion" am 27. März 2020 im Kultur- und Veranstaltungszentrum Kettelerhaus. Rund 100 Theater-Enthusiasten wirken bei der EUROPASSION mit: 80 auf der Bühne und 20 hinter den Kulissen. 

Internationale Kreativ-Achse

Die "Tirschenreuther Passion" hatte ihre Uraufführung im Jahr 1997. Seit 2000 wird das Stück regelmäßig alle fünf Jahre gespielt. Verfasser des Stücks ist der bekannte Regisseur und Autor Johannes Reitmeier, der auch für die Neuinszenierung der Passion im Jahr 2020 das Stückbuch schreibt und die Regie übernimmt. Der Leiter des Landestheaters Tirol hat sich dazu mit Stefan Tilch, Intendant des Landestheaters Niederbayern, einen weiteren hochkarätigen Regisseur an seine Seite geholt.    

Seele des Stückes bleibt erhalten

Anfang April stellte Johannes Reitmeier im Kettelerhaus sein Stückbuch vor. „Ich freue mich, wieder in Tirschenreuth zu sein. Denn ich habe schon vor vielen Jahren versprochen, die 'Neue Tirschenreuther Passion' als EUROPASSION 2020 zu inszenieren. Und dieses Versprechen löse ich natürlich gerne ein“, so Johannes Reitmeier bei der Begrüßung der über 80 Anwesenden. Der dann aber zuerst einmal auf die Besonderheiten der bisherigen „Tirschenreuther Passion“ hinwies. „Sie war nicht laut und auftrumpfend, aber durch den gesprochenen Dialekt und eine einzigartige Erzählstruktur beispielsweise durch den Auftritt der Evangelisten prägend auch im europäischen Maßstab“, erläuterte der Regisseur. Der in den vergangenen Monaten ganze Literaturberge gelesen habe, um ein neues Bild von einer veränderten Struktur des Stückes zu bekommen. Herausgekommen sei für ihn die Erkenntnis, die Seele des Stückes zu erhalten und es somit in seiner grundsätzlichen Form von Barock und Prosatexten zu belassen. Beispielsweise bleibe das Wort Jesu unverändert und würden die wichtigsten Texte nach wie vor durch die Evangelisten erzählt werden.  

Zentrale Änderung Judas-Bild

Dennoch gebe es natürlich auch viele Änderungen im Stück: Mit mehr Raum für Text und gespielte Szenen bei gleichzeitigen Kürzung von zeremonieller Umrahmung, mehr Konfliktstoff durch einen besonderen Fokus auf die angespannten familiären Verhältnisse von Jesus, einen größeren Textanteil in Hochdeutsch sowie eine Neudefinierung der Rolle der Frauen, die nun von Beginn an in Erscheinung treten würden.„Von immenser Bedeutung für die Neuinszenierung ist aber eine Änderung des Bildes von Judas. Denn es ist durchaus angebracht zu hinterfragen, ob zwischen ihm und Jesus bis zum Schluss nicht ein größeres Vertrauensverhältnis bestanden hat als zwischen Petrus und Jesus. In jedem Fall wird die Neuinszenierung keine Schwarz-Weiß-Passion mehr sein“, erklärte der Regisseur. Darüber hinaus, sagte Johannes Reitmeier weiter, möchte er aber auch bei der optischen Umsetzung der Inszenierung neue Akzente setzen. So gebe es neue Formen und Farbigkeiten bei den Kostümen und ein komplett neues Bühnenbild, bei dem ein überdimensionaler Felsen zentraler Spielort sei. Besonders freute Johannes Reitmeier auch, dass für die Passion am Spielort Kettelerhaus dann auch eine Zuschauertribüne aufgebaut werde und eine neue Tonanlage zur Verfügung stehe.   

Rollenbesetzung, Übersetzung der Texte und Ticketverkauf

Die Besetzung der Rollen durch die Regisseure ist bereits erfolgt. Bis zum Sommer erfolgt durch das Autorenteam Marianne Stangl und Manfred Grüßner die Übersetzung der neuen Texte in den Oberpfälzer Dialekt. Die ersten Proben sowie der Beginn des Ticketvorverkaufs sind für den Monat November geplant.

Aufführungstermine

Das Stück wird 2020 an folgenden Tagen gespielt: am 27. März (Premiere), am 29. März, vom 3.-5. April, am 9., 11. sowie 18. April. 

 

Großereignis Europassion

Im Jahr 2019 ist die französische Stadt Tullins Gastgeber der Europassion. Nach deren Ende im April wird Vinzenz Rahn, Tirschenreuths Vertreter im europäischen Passions-Verbund, dann vor Ort die offizielle Europassions-Statue überreicht. Dieser „Oscar“ der europäischen Passionsspielorte ist anschließend in der Kreisstadt ein Jahr lang symbolischer Botschafter der Europassion 2020.

„2020 ist Tirschenreuth auch die ‚Hauptstadt‘ aller nationalen und europäischen Passionsspielorte. Dann kommen aus 16 Ländern Abordnungen aus den insgesamt 69 Städten zu uns, um sich im Rahmen eines viertägigen Kongresses über das Thema Passion auszutauschen, die Stadt kennenzulernen und sich gemeinsam eine Aufführung anzusehen“, so Vinzenz Rahn.