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Der Klettnersturm


Klettnersturm in Tirschenreuth
Klettnersturm in Tirschenreuth

... das Wahrzeichen von Tirschenreuth
von Eberhard Polland

Wenn man von Weiden her auf der B 15 in die Stadt Tirschenreuth hineinfährt, grüßt einen schon von weitem das Wahrzeichen der Stadt, der Klettnersturm. Ein stattlicher Wehrturm, den Abt Johann der IV. im Jahre 1330 erbauen ließ. Er wurde unmittelbar an die Stadtmauer angegliedert und sollte den Bewohners des noch damaligen Markfleckens Dursinruthe, neben den beiden großen Stadtteichen, Schutz und Sicherheit bieten.

1529 ließ der Stadtmagistrat den Turm von dem Maurermeister Balthasar Kolmann um zwei Stockwerke erhöhen. Alle Bürger der Stadt waren aufgerufen, die Handlangerdienste zu leisten. Seitdem hat der Turm die stattliche Höhe von 33 Metern. Nun waren die anrückenden Feinde schon von weitem auszumachen und die Stadttore konnten im Kriegsfall rechtzeitig geschlossen werden.

Seinen Namen hat der Klettnersturm von einem Mann bekommen, der 1615 mit seiner Familie lange Zeit auf ihm lebte. Der Name Klettner ist auch heute noch in Tirschenreuth anzutreffen. Die Türmer hatten die Aufgabe, zur vollen Stunden die Glocke nachzuschlagen und nach der gefürchteten Feuersbrunst Ausschau zu halten. Wurde ein Feuer entdeckt, musste kräftig das Feuerhorn geblasen werden. Außerdem wurde eine Laterne aus dem Turmfenster gehalten um so die Richtung des Feurscheins bekanntzugeben.

In den letzten Jahrhunderten wohnten viele Türmerfamilien in der luftigen Einzimmerwohnung. Sie alle versahen treu und gewissenhaft ihren Dienst. Ihre Bleibe war nicht gerade eine Luxuswohnung. Ganze 15 qm zählte die einzige Stube, in der sich ihr tägliches Leben abspielte und 86 Stufen mussten mehrmals täglich überwunden werden. Auch das Brennmaterial und das Wasser für das tägliche Kochen mußten mühevoll hinaufgeschleppt werden. Die einzige Belohnung für all ihre Mühen war ein herrlicher Ausblick über die Dächer der Altstadt von Tirschenreuth.

Mit der Einführung der Technik wurde auch der einmal so wichtige Beruf des Türmers überflüssig. Der letzte Bewohner zog 1972 aus dem Klettnersturm aus. Er hatte zwar nicht mehr die Aufgaben eines Türmer zu erfüllen, lebte aber bescheiden mit seiner Frau und einem Kind in der Turmstube. Weil er gern einmal ein Bier über den Durst trank, passierte es immer öfters, dass er die vielen Stufen zu seinem Bett nicht mehr schaffte und gleich im Eingangsbereich des Turms einschlief.

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